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Bettina Knauer: „Vielfalt wird geschätzt und dramaturgisch produktiv umgesetzt“

Wenn sich bei einem Musikprojekt Kinder aus unterschiedlichen Stadtteilen, die sich sonst nie treffen würden, in der Hamburger Oper begegnen, ist das auch schon Inklusion, sagt Dr. Bettina Knauer vom Kulturforum 21 der Schulen im Erzbistum Hamburg. Im Interview spricht sie darüber, wie die Anerkennung von Diversität in der Zusammenarbeit von Kultur und Schule praktisch umgesetzt werden kann.

BKJ: Das Kulturforum 21 der Schulen im Erzbistum Hamburg war im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Deichtorhallen Hamburg MIXED UP Preisträger in der Kategorie Zusammenspiel. Welche Qualitätsmerkmale Ihrer Zusammenarbeit haben Ihrer Meinung nach die Jury überzeugt?

Porträt von Dr. Bettina Knauer. Foto: Christoph SommerBettina Knauer: Ich glaube, es ist ein großes Qualitätsmerkmal, dass wir im Dialog und auf Augenhöhe mit den Deichtorhallen zusammenarbeiten. Es ist nicht nur die dortige Abteilung Kulturelle Bildung, die sehr gern mit uns zusammenarbeitet. Es ist auch der Intendant, der solche Projekte als eine seiner Aufgaben betrachtet und voll dahinter steht. Er ist immer präsent. Und wir auch in den Deichtorhallen. Zur Eröffnung der Ausstellung von Bill Viola, wo auch das exklusive Publikum des Kunstbetriebes anwesend war, haben wir die Ergebnisse der Schüler aus dem Kooperationsprojekt gezeigt. Kulturelle Bildung ist eben kein Nischenprojekt oder Add-on.

BKJ: Wie kann Inklusion und die Anerkennung von Diversität in den unterschiedlichen Bereichen der kulturellen Bildungspraxis gelingen. Welche Strategien verfolgen Sie?

Bettina Knauer: Unser Programm stand von Anfang an unter der Vorgabe Integration und Dialog zu fördern. Oberstes Ziel dabei ist die Teilhabe und Selbstermächtigung. „Kultur“ verstehe ich als operativen Begriff, der auf Teilhabe zielt. Wir müssen Brücken bauen – und dazu bedarf es eines „dritten Raums“, in dem gemeinsam Neues mit Profis und unter den Schulen selbst erprobt werden kann. Dort macht es dann keinen Unterschied, woher derjenige oder diejenige Mitwirkende kommt. Vielfalt wird geschätzt und dramaturgisch produktiv umgesetzt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist es, schulübergreifend zu arbeiten, was wir in allen unseren Projekten machen. Ein Beispiel: es gibt ein Gymnasium, an dem gibt es garantiert acht gute Geiger, aus gesicherten sozialen Verhältnissen. Und neun gute Sänger aus dem Schulchor in Billstedt, einem sogenannten sozialen Brennpunkt. Das soziale Umfeld wird aber überhaupt nicht zum Thema gemacht. Die Kinder finden sich als neue Gruppe im Zeichen der Künste zusammen. Die gemeinsame Arbeit mit dem Regisseur und den Künstlern steht im Mittelpunkt.

Ich bin auch nicht unbedingt dafür die Institutionen zu verlagern, z. B. in die Stadtteile zu gehen und dort ein bisschen Oper zu machen. Das ist schön, aber die Oper steht nun mal am Dammtor mitten in der Stadt und es ist gut, wenn die Jugendlichen auch dorthin kommen. Zwischen unseren Schulen, z. B. zwischen Neugraben und Billstedt sind 40 km. Die Schüler von dort treffen sich sonst nie. Aber sie treffen sich in der Oper. Wenn wir in der Oper sind, dann trinken wir gemeinsam etwas im Foyer, mittendrin im traditionellen Opernpublikum. Das ist für mich eben auch Inklusion. Immer dabei, mittendrin und selbstbewusst agieren.

Die Häuser finden unsere Projekte – und auch die Kinder und Jugendlichen – so toll und bieten an, dass sie auch einfach mal so vorbeikommen können. Sie dürfen sich als Teil des Kulturbetriebs empfinden. So wird ein Theater, eine Oper, eine Ausstellungshalle zu ihrem Ort.

BKJ: Mit Ihrer „Preisträgerbrille“ werden Sie in diesem Jahr selbst in der MIXED UP Jury mitwirken und an der Preisträgerauswahl beteiligt sein. Worauf werden Sie besonders achten? Was würden Sie potentiellen Bewerber*innen empfehlen?

Bettina Knauer: Ich finde Nachhaltigkeit wirklich wichtig. Dass die Projekte über den Umsetzungszeitraum hinaus wirken. Auch wie Diversität berücksichtigt wird. Wie sind die Strukturen zwischen Schule und Kultur aufgestellt, damit die Kooperation auf Augenhöhe passiert. Es ist wichtig, dass das Strukturelle unterstützt wird und klar ist, dass der Anspruch, Kulturelle Bildung umzusetzen, nicht noch auf eine engagierte Lehrerschulter allein übertragen werden kann. Dafür braucht es Profis. Nur so ist Nachhaltigkeit und Engagement möglich und, dass dieser Funke immer wieder überspringt, der die kulturellen Bildungsprozesse bei den Kindern und Jugendlichen in Gang setzt. Ich werde also ganz analytisch und neugierig schauen: Was funktioniert toll, wie sind die verzahnt und wie nachhaltig ist das, wie viele beteiligte Akteure sind auch dabei, was überzeugt? Besonders interessant finde ich auch, wie kulturelle Bildungsarbeit im ländlichen Raum gelöst wird. Ich empfehle den Bewerbern mit viel Selbstbewusstsein aufzutreten.

Dr. Bettina Knauer ist Projekt- und Programmleiterin des „Kulturforum21“ der Schulen im Erzbistum Hamburg. Sie ist Mitglied der Fachjury des MIXED UP Bundeswettbewerbs für kulturelle Bildungspartnerschaften.

Weitere Informationen

Logo MIXED UP Bundeswettbewerb für kulturelle Bildungspartnerschaften

Das Kooperationsprojekt „Laboratorium Bill Viola“ von den Deichtorhallen Hamburg und dem Kulturforum21 der Schulen im Erzbistum Hamburg hat in der Kategorie „Zusammenspiel“ den MIXED UP Preis 2017 gewonnen.

> Mehr über das Preisträger-Projekt

Kulturforum21 in Hamburg

MIXED UP Fachjury 2018

MIXED UP 2018: Noch bis zum 15. Mai 2018 bewerben

Eine längere Fassung dieses Interviews ist im Onlinemagazin „Kooperationen und Bildungslandschaften“ der BKJ erschienen.

Foto: Christoph Sommer





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